Sonne auf Rezept? Lichttherapie für die Seele
Shownotes
Gerade in der dunkleren Jahreszeit merken viele Menschen, wie sehr Licht unser Wohlbefinden, unsere Energie und unseren Alltag beeinflusst. Doch was steckt eigentlich hinter dem Konzept der Lichttherapie? In unserer neuen Podcastfolge sprechen wir mit Erick Goldenthal, Chefarzt der Blomenburg Frankfurt, über die Grundlagen der Lichttherapie. Im Interview erklärt er verständlich, wie Lichttherapie eingesetzt wird, welche Effekte sie auf Körper und Psyche haben kann und für wen sie besonders geeignet ist.
Gemeinsam ordnen wir das Thema fachlich ein, sprechen über wissenschaftliche Hintergründe und klären, worauf man bei der Anwendung achten sollte.
Eine informative Folge für alle, die Licht einmal aus einer neuen Perspektive betrachten möchten.
Viel Freude beim Anhören!
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Zu Gast Erick Goldenthal ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit einem Fokus auf Verhaltenstherapie. Lange Zeit arbeitete er im Markuskrankenhaus, das akademische Lehrkrankenhaus der Uni Frankfurt, und in der Privatklinik Dr. Amelung, bis er die Stelle als Chefarzt der Blomenburg Tagesklinik & Ambulanz in Frankfurt am Main übernahm.
PycheToday – Der Blomenburg Podcast Dr. Grabhorn, ärztliche Direktorin der Blomenburg Privatkliniken, spricht mit Experten:innen über aktuelle Themen aus dem Bereich der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Jeden Monat erwarten Sie neben spannenden Fachinterviews & Diskussionen mit bekannten Expert:innen, fachliche News, spannende Buchtipps sowie Anregungen aus unserem Wissenschaftskontor.
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Transkript anzeigen
00:00:05: Erick Goldenthal: Also es gibt eine Wirkung auf zum einen auf diesen Mechanismus mit dem Melatonin und auch der hat Einfluss auf Depressionen. Aber es gibt auch eine Wirkung auf Serotonin und Adrenalin. Das sind Botenstoffe, die für uns aktivierend wirken und die dazu führen, dass wir wacher sind, dass wir aktiver sind, dass wir auch mehr Interessen haben. Und dass man auch nicht vergessen darf, ist über diese Verschaltungen bestimmten Genzentren hat es auch eine Wirkung auf unsere Cortisol Produktion
00:00:38: Intro / Outro: Psyche Today. Der Podcast mit den aktuellsten Informationen rund um Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie
00:00:47: Stephanie Grabhorn: So, hallo, Herzlich willkommen wieder zu einer neuen Folge von Psyche Today. Ich bin Stephanie Grabhorn, ärztliche Direktorin der Blomenburg Privatkliniken und wir sind heute zu Gast bei Erick Goldental, der in der Blomenburg in Frankfurt ist. Und vielen Dank, dass wir hier sein dürfen. Ich werde heute den Herrn Goldenthal zum Thema Lichttherapie befragen. Und wie immer wollen wir natürlich alles wissen über die Behandlung. Was ist eine Lichttherapie? Wem hilft Lichttherapie und was sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu, warum man das anwendet? Ja, Herr Goldenthal, danke, dass Sie heute Zeit für uns haben.
00:01:25: Erick Goldenthal: Ja, vielen Dank. Gleich wieder dabei sein darf bei dem Podcast.
00:01:27: Stephanie Grabhorn: Herr Goldenthal und würden sich für alle, die unseren anderen Podcast mit Ihnen zum Thema Zwangsstörungen noch nicht gehört haben, vielleicht noch mal sich ganz kurz vorstellen.
00:01:36: Erick Goldenthal: Mein Name ist Erick Goldenthal. Ich bin Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Mittlerweile schon seit zwei Jahren in der Blomenburg privaten Tagesklinik und Ambulanz in Frankfurt. War vorher lange, lange Zeit in einem akademischen Lehrkrankenhaus als Assistenzarzt, später als Oberarzt tätig und dann auch noch mal viele Jahre in einer Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Ja, und bin jetzt ganz glücklich seit zwei Jahren hier in Frankfurt in der Tagesklinik zu sein.
00:02:04: Dr. Stephanie Grabhorn: Ja, Herr Goldenthal, ich fange mal so an! Was ist denn überhaupt für die, die jetzt nicht Profis sind und nicht aus unserem Beruf kommen und zuhören: Was ist denn überhaupt eine Lichttherapie? Da fragt man sich ja schon wie muss ich mir das überhaupt vorstellen? Wie sieht denn das eigentlich aus?
00:02:17: Erick Goldenthal: Ja, Lichttherapie ist ein biologisches Verfahren, um bestimmte Erkrankungen, aber auch so was wie Schlafstörungen beispielsweise oder auch eine Rhythmusstörung im Schlaf. Also wenn es jemanden Jetlag hat oder im Schichtdienst arbeitet, kann man das ganz gut mit Lichttherapie angehen und man muss sich das so vorstellen, dass man sich entweder vor ein Lichttherapie-Gerät setzt. Das ist entweder ein Lichtschirm oder eine Lampe, die ein spezielles Licht aussendet oder mittlerweile seit ein paar Jahren gibt es auch Lichttherapie-Brillen. Die setzt man dann auf. Ähnlich wie eine normale Brille kann man auch zusätzlich zur normalen Brille aufsetzen und die bescheint dann in dem Sinne die Augen mit einem speziellen Licht
00:03:01: Dr. Stephanie Grabhorn: Und was für ein Licht ist es? Weil ich habe immer mal Patienten gehabt, die habe mich dann gefragt Oh, werde ich auch braun, wenn ich vor der Lampe sitze? Das ja toll
00:03:11: Erick Goldenthal: Hoffentlich nicht. Hoffentlich wird man dabei nicht braun. Also das ist tatsächlich ganz, ganz wichtig. Das darf kein Licht sein, Was ultraviolette Strahlung.
00:03:19: Dr. Stephanie Grabhorn: Also nur die Helligkeit, oder die Helligkeit ist entscheidend, nehme ich an?
00:03:23: Erick Goldenthal: Also zum einen ist die Helligkeit entscheidend, zum anderen aber auch das Spektrum des Lichts. Also es darf auf keinen Fall UV Strahlung dabei sein. Das ist ein besonderes kurzweiliges Licht, was dazu führt, dass unsere Haut beispielsweise braun wird. Aber das führt auch zu Hautschäden und vor allem auch zu Schäden an unserer Netzhaut. Und deswegen müssen das Lichttherapiegeräte sein, die getestet sind, geprüft sind und wo ein UV Filter mit drin ist.
00:03:47: Dr. Stephanie Grabhorn: Dann sind die nur hell, aber sie machen sozusagen auf die Haut keinen Einfluss,
00:03:52: Erick Goldenthal: Genau, die machen noch, haben keinen Einfluss auf die Haut und die haben keinen Einfluss auf unsere Netzhaut, also keinen schädigenden Einfluss. Einfluss in dem Sinne haben sie sollen sie auch haben, ansonsten wird es nicht wirken. Aber sie sollen kein schädigenden Einfluss haben und die sollen eigentlich das gesamte Spektrum des Sonnenlichts abbilden, also auch die Blauanteile, die wir ja oft in dem Licht in unseren Zimmern nicht unbedingt haben, aber die sollen dieses UV, diesen UV Anteil nicht haben.
00:04:24: Dr. Stephanie Grabhorn: Dann können wir ja gleich mal gucken, was was sie denn bewirken. Also wenn dieses Licht auf unsere Netzhaut trifft, dann bewirkt es ja scheinbar doch irgendetwas in unserem Gehirn. Und vielleicht können Sie dazu kurz mal was sagen.
00:04:35: Erick Goldenthal: Ja, wir haben in unserer Netzhaut verschiedene lichtsensible Zellen. Vielleicht kennen einige noch aus der Schule Stäbchen und Zapfen. Das haben glaube ich schon viele gehört. Die einen sind zuständig, um die Farben zu sehen, die anderen sind eher zuständig um Hell-Dunkel-Schattierungen, vor allem, wenn weniger Licht da ist zu erkennen. Aber es gibt noch eine dritte Sorte und das sind die Melop- Malop- ein schwieriger Begriff - Melanopsien in den Zellen, die registrieren Licht und senden das dann weiter in bestimmte Gehirnareale und sind dann zuständig dafür, dass dann auch unsere innere Uhr funktioniert und dass Melatonin ausgeschüttet wird bzw Melatonin nicht ausgeschüttet wird.
00:05:24: Erick Goldenthal: Also wenn wir jetzt helles Licht haben, dann senden diese Zellen über den Sehnerv ein Signal in ein bestimmtes Hirnareal und das führt dann dazu, dass die Ausschüttung von Melatonin gehemmt wird. Licht führt -
00:05:41: Dr. Stephanie Grabhorn: Genau, also würde man das eher zum Wachwerden nutzen und um den Antrieb zu steigern. So ein bisschen, oder? Oder würde man das bei Melatonin nimmt man ja sonst auch so als Medikament ein, um wieder gut schlafen zu können.
00:05:51: Erick Goldenthal: Genau. Melatonin ist eigentlich unser Schlafhormon. Also Melatonin hat einen großen Einfluss auf unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Melatonin wird bei uns vor allem spät abends in der Nacht ausgeschüttet und ist davon abhängig, dass wir eben kein helles Licht haben und kein Licht mit einem hohen Blauanteil.
00:06:10: Dr. Stephanie Grabhorn: Dann erklärt sich ja schon so ein bisschen, wofür ich das dann gebrauchen kann. Also was für Indikationen sozusagen gibt es denn dann für die Lichttherapie?
00:06:18: Erick Goldenthal: Also zum einen gibt es die Indikationen, man möchte etwas wacher sein, man möchte seine Schlafphasen zur richtigen Zeit haben und zum anderen gibt es auch die Indikation zur Behandlung von saisonal abhängigen Depressionen. Das ist das, was man so als Winterdepression oder Winterblues kennt, also Depressionen. Die eher im Herbst und Winter auftreten, die bei manchen Menschen auch wiederholt auftreten. Also das heißt mindestens zweimal in diesem Zeitraum Herbst, Winter gehen die und die sehr abhängig davon sind, wie die Lichtexposition ist, also wie viel Licht wir tatsächlich abbekommen.
00:06:57: Erick Goldenthal: Das erklärt auch, warum das zum Beispiel in unseren Breitengraden relativ häufiger ist. Also Schätzungen gehen um bis zu 10 % und in Skandinavien ist das sogar noch häufiger, da dann im Herbst Winter Frühjahr dunkler als bei uns und da gehen die Schätzungen bis zu 20 % von Depressionen und mittlerweile gibt es auch noch den Einsatzbereich, dass man das auch bei sonstigen Depressionen zusätzlich einsetzt, also zusätzlich zu einer medikamentösen Behandlung beispielsweise.
00:07:29: Dr. Stephanie Grabhorn: Da ist ja die Idee, denke ich mal, dass man damit in die Wachheit so den Antrieb, die Konzentration wieder ein bisschen abholt, nehme ich mal an oder so um bei dir, weil das ist ja, dass das wahrscheinlich am ehesten bei der Lichttherapie wirkt, oder wie würden Sie das beschreiben?
00:07:43: Erick Goldenthal: Also es gibt eine Wirkung auf zum einen auf diesen Mechanismus, mit dem Melatonin und auch der hat Einfluss auf Depressionen. Aber es gibt auch eine Wirkung auf Serotonin und Nordrand. Das sind Botenstoffe, die uns aktivierend wirken und die dazu führen, dass wir wacher sind, dass wir aktiver sind, dass wir auch mehr Interessen haben. Und - was man auch nicht vergessen darf, ist über diese Verschaltung in bestimmten Hirnzentren hat es auch eine Wirkung auf unsere Cortisol Produktion.
00:08:17: Dr. Stephanie Grabhorn: Achja, okay.
00:08:19: Erick Goldenthal: und das fördert beispielsweise morgens wach sind. Gerade morgens wird Cortisol ausgeschüttet und das führt zu mehr Wachheit.
00:08:30: Dr. Stephanie Grabhorn: Jetzt wird es ja auch oft benutzt oder eingesetzt bei Schlafstörungen. Das ist jetzt ein bisschen unlogisch. Wenn mich das wach macht und mich konzentriert, macht und Antrieb steigert und Interesse steigert und mich wieder sozusagen mehr Lust aufs Leben macht, dann ist es ja das Gegenteil von “Ich leg mich hin und schlafe” und Melatonin wird ja auch gebremst. Wieso würde man die denn da bei Schlafstörungen einsetzen?
00:08:52: Erick Goldenthal: Also da geht es natürlich sehr darum, zu welcher Zeit wir das einsetzen. Die Lichttherapie normalerweise, also üblicherweise ein früh morgens entweder kurz nach dem Aufstehen oder zumindest so in den ersten Morgenstunden, dass wir die Melatonin Produktion eher morgen dann hemmen und damit versuchen wir die innere Uhr also unserer zirkadianen Rhythmus wieder besser zu justieren. Denn der ist gerade bei depressiven Erkrankungen ein stückweit aus dem Lot.
00:09:20: Dr. Stephanie Grabhorn: Also der Schlafrhythmus wird sozusagen wieder ordentlich hergestellt.
00:09:23: Erick Goldenthal: Genau das ist so der eine Mechanismus und der andere ist tatsächlich über diese aktivierenden Botenstoffe, die ausgeschüttet werden, das heißt ähnlich wie es auch manche antidepressive Medikamente machen, die dazu, dass mehr Serotonin oder mehr Adrenalin beispielsweise oder beide dann in bestimmten Hirnbereichen vorhanden sind. Und das macht das Licht auch vielleicht in etwas geringerem Umfang als Medikament, aber durchaus messbar.
00:09:54: Dr. Stephanie Grabhorn: Kann ich ja jetzt auch eine Überdosis sozusagen kriegen. Also wenn ich mich jetzt den ganzen Tag vor so eine Lampe setze, dann kann das dazu führen, dass ich dann zum Beispiel schlecht schlafe oder dass ich dann zu glücklich bin.
00:10:04: Erick Goldenthal: Ja, also es kann tatsächlich sein, dass sie dann schlecht schlafen. Also das wäre so ein Effekt, der passieren kann, wenn man die Lichttherapie zu spät einsetzt oder tatsächlich zu lange. Dann kann sein, man schläft schlechter. Also der die Melatonin Produktion wird ja dann so stark gehemmt, dass man dann einfach nicht richtig den Schlaf findet. Das ist so ein Effekt. Ein anderer Effekt ist und da muss man ein bisschen vorsichtig sein bei Patienten, die keine reine Depression haben, sondern eine bipolare Störung, also eine manisch depressive Erkrankung haben.
00:10:35: Erick Goldenthal: Bei denen kann durchaus auch eine manische Phase induziert werden. Also das heißt, die wechseln dann von einer mehr depressiven Phase dann in eine manische Phase. Das ist so eine Möglichkeit. Die Gefahr ist nicht so dramatisch hoch bei der Lichttherapie, also deutlich geringer als bei manchen antidepressiven Medikamenten. Aber es gibt ein paar Sachen, die man beachten muss.
00:11:00: Dr. Stephanie Grabhorn: Das heißt, es ist das sogenannte Switchrisiko, was man bei den Medikamenten hätte, bei der bipolare Störung. Also wir haben gewisses Swichtrisiko, habe ich das richtig verstanden? Aber was muss ich jetzt beachten, wenn ich die Lampe einsetze bei einem bipolar betroffenen Patienten?
00:11:13: Erick Goldenthal: Also zum einen ist es so Gerade bei den Patienten ist es wichtig, dass dann tatsächlich ein Arzt konsultiert wird, dass man das nicht so ohne Rücksprache mit dem Arzt macht. Es wird dann eher mittags eingesetzt.
00:11:25: Erick Goldenthal: Es gibt dazu Studien, dass die mittagliche Anwendung von Lichttherapie bei dieser Gruppe von Patienten eine positive Wirkung hat. Und es sollte natürlich dann eingesetzt werden im Rahmen von einer depressiven Phase. Also wenn ein Patient schon manisch ist oder auch so erste Anzeichen von einer Hypomanie schon schon aufweist, dann sollte man natürlich keine Lichttherapie durchführen und man würde die oder man würde die ja auch sofort natürlich absetzen.
00:11:54: Erick Goldenthal: Das sind so eins, was man eine Sache, die man machen kann, eine andere ist auch, man kann auch darüber nachdenken, ob man nicht zum Abend hin eventuell eine Art Dunkeltherapie macht, also dass Patienten dann zum Beispiel gezielt eine Brille aufsetzen, die blaues Licht filtert. Brillen, die haben interessante Gläser, sehen also ähnlich aus wie eine Sonnenbrille oder wie eine Arbeitsschutzbrille, haben dann so orange getönte Gläser und die filtern relativ gut die Blauanteile des Lichts raus. Denn das sind die besonders wirksamen Anteile, also auch die Anteile, die auf diese speziellen Zellen unserer Netzhaut, besonders wirken.
00:12:32: Dr. Stephanie Grabhorn: Sehr interessant. Also für alle, die jemals gedacht haben, Lichttherapie ist irgendwie nur so so ein bisschen Hokuspokus, Da sieht man ja doch, dass schon einen enormen Effekt hat, wenn man das eine oder das andere macht. Wenn man das an solchen Erkrankungen durchaus auch merken würde, finde ich es sehr spannend.
00:12:47: Erick Goldenthal: Mittlerweile gibt es auch tatsächlich relativ groß angelegte Studien dazu und auch Übersichtsarbeiten, wo viele Studien dann noch mal nach beobachtet wurden und noch mal in der Zusammenschau betrachtet wurden. Und die Effektstärken sind relativ gut.
00:13:01: Dr. Stephanie Grabhorn: Spannend. Da kann ich ja nachher noch mal Fragen nach einer Studie. Jetzt noch mal ganz kurz zu der zu der Art und Durchführung also. Angenommen, ich habe jetzt jemanden, der meinen Patienten oder auch mir selber so eine Brille aufsetze, die da so meine Augen bescheint. Oder ich habe so eine Lampe, vor der ich sitze. Wie lange müsste ich das denn jetzt erst mal von der Zeit der Anwendung an diesen Tag machen? Und dann wie, wie oft und wie lange soll ich das denn überhaupt insgesamt machen, dass man da einen Effekt hätte?
00:13:28: Erick Goldenthal: Möglicherweise sollte man Lichttherapie Gerät nehmen, die Lichtintensität von ungefähr 10.000 Lux hat. Das klingt erst mal auch ganz schön viel. Man muss aber auch sagen an einem sonnigen Tag haben wir draußen ein Intensität von ungefähr 120.000 Lux, also deutlich deutlich mehr. Selbst an einem schattigen Tag haben wir draußen teilweise 20.000 Lux und die Lichttherapie-Geräte sollten etwa 10.000 Lux abgeben.
00:13:58: Erick Goldenthal: Das ist ganz gut. Bei vielen Modellen kann man die Intensität auch ändern und auch runterregulieren. Das ist zum Beispiel nicht schlecht, um sich so ein bisschen dran zu gewöhnen, denn das kann schon relativ hell und dann auch für manche so ein bisschen irritierend sein. An den Augen. Aber 10.000 Lux werden normalerweise so die richtige Itensität und - Morgendauer von 30 Minuten
00:14:21: Dr. Stephanie Grabhorn: 30 Minuten einem am Morgen oder je nachdem am Mittag, wenn es bipolare Patienten sind, okay, und wie viele Wochen mache ich das? Oder wie viele Tage in der Woche? Oder wie oft, wenn ich das dann an?
00:14:31: Erick Goldenthal: Jeden Tag, an tatsächlich jeden Tag anwenden? Und zumindest im Rahmen der Studien wurde das für zumindest vier Wochen durchgeführt. Sinnvoll erscheint aber auch, dass man es ähnlich macht über eine antidepressive Medikation, das heißt auch die würde man nicht direkt nach vier Wochen absetzen. Gerade wenn sich positive Effekte zeigen, würde man ja auch weiter behandeln.
00:14:54: Erick Goldenthal: Das heißt, das kann auch über mehrere Monate gehen. Und bei Patienten mit saisonal abhängigen Depressionen wäre sowieso die Empfehlung, dass man eventuell im September schon prophylaktisch startet, also dass man gar nicht erst abwartet, bis die Depression sich entwickelt hat, sondern im September wird dann angefangen und das wird dann eventuell bis April weitergeführt. Also in den Monaten, in denen wir eigentlich zu wenig Licht bekommen.
00:15:17: Dr. Stephanie Grabhorn: Und ich könnte ja so eine Lichttherapie, Lampe oder so eine Brille auch irgendwie frei auf dem Markt erwerben. Das ist jetzt nicht irgendein medizinisches besonderes Gerät, wo man ein Rezept für braucht oder wo man irgendwie das kann ich einfach so kaufen?
00:15:29: Erick Goldenthal: Die lassen sich tatsächlich frei erwerben, das ist kein Problem. Man muss bloß beachten, dass das ein getestet ist und sicher das Gerät sein sollte.
00:15:39: Erick Goldenthal: Denn unsere Netzhaut ist wirklich sehr sensibel auf ultraviolettes Licht und mittlerweile grade Geräte auch mit LEDs. Es gibt durchaus LEDs, die auch in diesem Spektrum Licht aussenden, daher würde ich da nicht auf Billigprodukte zurückgreifen, sondern wirklich auf ein Gerät was getestet ist, was ein CT Zertifikat hat und was ganz sicher frei von UV Strahlung ist.
00:16:04: Dr. Stephanie Grabhorn: Genau jetzt diese diese Dosierung. Wie man das anwenden soll, habe ich verstanden. Wie ist es denn, wenn man das jetzt sozusagen abdosiert? Muß man das dann langsam ausgleichen oder kann man einfach die Lampe ausmachen und sagen Jetzt geht es mir wieder gut, jetzt ist Schluss?
00:16:16: Erick Goldenthal: Also das wäre so eine Frage. Dazu wäre tatsächlich noch ein bisschen mehr Forschung notwendig. Ich würde es persönlich eher langsam ausdosieren und nicht schlagartig absetzen, einfach weil die Effekte zum Teil zumindest ein bisschen ähnlich sind wie von Medikamenten.
00:16:32: Erick Goldenthal: Und auch die würde man ja nicht schlagartig absetzen Also war auch eher mein persönliches Empfinden und so wie ich es machen würde. Ähm, so richtig belegbar ist das im Moment noch nicht.
00:16:44: Dr. Stephanie Grabhorn: Und ähm, wie es jetzt mit Es ist noch mal wir hatten zwar schon die bipolare Störung, dass man da ein bisschen vorsichtig sein muss, aber gibt es denn noch Nebenwirkungen oder Kontraindikation, die wir unbedingt erwähnen müssen, wo man aufpassen muss?
00:16:56: Erick Goldenthal: Prinzipiell ist Vorsicht geboten bei Patientinnen und Patienten mit Netzhauterkrankungen, also beispielsweise eine Retinitis pigmentosa, also verschiedene Arten von Netzhauterkrankungen. Das sind aber Erkrankungen, von denen die Patienten in der Regel auch wissen. Und im Zweifelsfall bitte den Augenarzt fragen und dessen Meinung auch noch mal einholen, dass wir eine deutliche Kontraindikation. Ansonsten gibt es durchaus auch ein paar Nebenwirkungen, die sind eher mild und nicht so furchtbar gravierend.
00:17:31: Erick Goldenthal: Aber so was wie Augenbrennen oder Kopfschmerzen, das könnten so typische Nebenwirkungen sein. Druckgefühl an den Augen, das wär beispielsweise was. Da sollte man eventuell die Intensität ein bisschen zurückschrauben. Das heißt, eine Lichttherapie Gerät könnte man sich ein bisschen weiter davon weg setzen. Man muss wissen, der Abstand verändert die Lichtintensität im Quadrat, also das heißt, wenn Sie sich doppelt so weit weg setzen vom Gerät, dann haben Sie nur noch 1/4 der Lichtmenge, die Sie abbekommen.
00:18:08: Erick Goldenthal: Also das so ein bisschen beachten. Bei einer Lichttherapie-Brille kann man in der Regel tatsächlich die Intensität einstellen, das heißt, man würde dann mit einer niedrigeren Intensität starten und die dann schrittweise bei den nächsten Sitzungen Stück für Stück steigern.
00:18:22: Dr. Stephanie Grabhorn: Ja, okay, das ist alles sehr interessant. Jetzt kommen wir noch mal zum wissenschaftlichen Teil, weil Sie es halten Sie ja schon angedeutet, dass es eine ganze Menge Material da gibt an Überblicksstudien und Untersuchungen. Was für eine Studie sollen wir denn mal lesen, damit wir ein bisschen Überblick bekommen? Wenn wir wissenschaftlich interessiert sind an dem Thema?
00:18:43: Intro / Outro: Tipp aus unserem Wissenschaftskontor.
00:18:47: Erick Goldenthal: Also sehr empfehlen würde ich tatsächlich eine Übersichtsarbeit, und zwar in der JAMA Psychiatry. Der Titel ist Bright Light Therapy for Nonseasonal Depressive Disorders und der ist von 2024 und in dem wurden tatsächlich elf Studien zusammengefasst mit insgesamt 858 Patienten.
00:19:08: Dr. Stephanie Grabhorn: Ja, das ist doch schon nicht schlecht. Ziemlich groß, alles okay? Ja, vielen Dank erst mal dafür. Und dann ich. Vielleicht gibt es auch noch einen Buchtipp für jemanden, der sich da ganz doll einlesen möchte. Haben Sie vielleicht noch ein Buch für uns?
00:19:22: Intro / Outro: Buchtipp.
00:19:26: Erick Goldenthal: Also eine gute Übersicht gibt tatsächlich das Buch Lichttherapie von Krause und Stange. Es erschienen im Springer Verlag. Die Auflage ist schon ein bisschen älter, ist von 2012, aber da hat man auf jeden Fall einen wissenschaftlich fundierten und ganz guten Überblick.
00:19:40: Dr. Stephanie Grabhorn: Okay, danke schön. Jetzt kommt ja immer am Ende unsere persönliche Frage. Wir hatten das ja schon einmal, aber vielleicht gibt es ja noch ein paar Geheimnisse oder Überraschungen, die Sie von sich erzählen können. Was muss ich mir denn? Was haben wir denn für eine persönliche Idee noch über den Herrn Goldenthal?
00:19:57: Intro / Outro: Persönliche Frage.
00:20:02: Erick Goldenthal: Also eine passende, ganz persönliche Sache. Ja, tatsächlich haben wir haben zu Hause auch ein Lichttherapie Brille und setzen die auch in der dunklen Jahreszeit ein. Ja, um uns ein bisschen zu aktivieren, um den Schlaf ein bisschen zu verbessern.
00:20:15: Dr. Stephanie Grabhorn: Okay, da haben Sie die mal auf. Wenn Sie was machen, laufen Sie damit durch die Wohnung?
00:20:20: Erick Goldenthal: Ich berate dann das Frühstück zu.
00:20:22: Erick Goldenthal: Genau, das passt ja morgen genau
00:20:23: Dr. Stephanie Grabhorn: Schön, Gut. Ja. Danke schön Herr Goldenthal. Vielen Dank für diese Informationen. Und bis zum nächsten Mal.
00:20:30: Erick Goldenthal: Ja, vielen Dank. Bis zum nächsten Mal.
00:20:33: Intro / Outro: Das war Psyche Today. Der Podcast der Blomenburg Privatkliniken. An unseren Standorten in Selent Hamburg und Frankfurt stehen wir Ihnen mit modernsten Therapien und individueller Betreuung zur Seite. Erfahren Sie mehr unter www.blomenburg.com
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